Die ORFEUS-II Mission

ORFEUS-SPAS II Emblem
STS-80 Emblem

 

Die zweite ORFEUS Mission startete am 19. November 1996 um 14:55:47 (EST = 13:55:47 CST) mit der Shuttle Mission STS-80 (Columbia) ins All. 8 Stunden und 15 Minuten nach dem Start wurde der ASTRO-SPAS Satellit vom Shuttle ausgesetzt und begann seinen Freiflug. Das Shuttle entfernte sich auf 25 Nautische Meilen (ca. 46 km) vom ASTRO-SPAS. Am 22. November um 14:56 (CST) wurde ein zweiter Satellit - Wake Shield Facility (WSF) - vom Shuttle ausgesetzt. ASTRO-SPAS befand sich zu diesem Zeitpunkt 58 Meilen (ca. 107 km) hinter dem Space Shuttle. Das war der erste Formationsflug eines Shuttles mit zwei Satelliten. Das Kritische an diesem Formationsflug lag darin, dass die beiden Satelliten nicht aktiv ihre Flugbahn ändern konnten - nur das Shuttle war dazu in der Lage.

Am 22. November nachmittags wurden die Beobachtungen mit ORFEUS unterbrochen, um den ASTRO-SPAS in eine windschlüpfrigere Position zu bringen. Man hatte festgestellt, dass ASTRO-SPAS sich schneller auf das Shuttle und vor allem auf den WSF-Satelliten zubewegt, als ursprünglich gedacht. Um diesen Abstand nun wieder zu vergrößern, sollte der Luftwiderstand in der dünnen Restatmosphäre durch die Umorientierung des Satelliten verringert werden. Das Paradoxon, dass der geringere Reibungswiderstand des ASTRO-SPAS zu einer Verlangsamung gegenüber dem Shuttle führt, erklärt sich aus den Kepler-Gesetzen: Weil sich bei Energieverlust die Höhe der Umlaufbahn verringert, verkürzt sich die Umlaufdauer.

Am 25. November um 4 Uhr morgens (CST) wurden die Beobachtungen wieder fortgesetzt. Um 20:01 (CST) wurde WSF wieder eingefangen. ASTRO-SPAS befand sich zu diesem Zeitpunkt 14 Meilen (ca. 26 km) hinter dem Shuttle. Für den Rest der Mission wurde der Abstand zum ASTRO-SPAS bei 20 Meilen (ca. 37 km) gehalten.

Ein geplanter Außeneinsatz der Astronauten Tom Jones und Tammy Jernigan konnte wegen einer klemmenden Außenluke nicht durchgeführt werden.

Die ORFEUS-Beobachtungen wurden schließlich noch um einen Tag verlängert, zum Ausgleich für den Verlust während des Tandemfluges mit dem WSF-Satelliten.

Am 4. Dezember um 2:26 morgens (CST) wurde ORFEUS-SPAS mit dem Roboterarm des Shuttles von der Astronautin Tammy Jernigan wieder eingefangen. Wegen schlechten Wetters wurde die geplante Landung zweimal um jeweils einen Tag verschoben. Die Landung erfolgte schließlich am 7. Dezember 1996 um 5:49 (CST).

Mit einer offiziellen Missionsdauer von 17 Tagen, 15 Stunden und 53 Minuten war STS-80 der längste Shuttleflug überhaupt.

Die Instrumente der ORFEUS-SPAS II Mission waren insgesamt 263.0 Stunden eingeschaltet, während die Netto-Integrationszeit 164.9 Stunden betrug. Daraus errechnet sich eine Effizienz von 62.5% für alle Instrumente. Dies ist ein extrem hoher Wert im Vergleich zu anderen Satelliten-Missionen.

Die Daten des Echelle-Spektrometers sind allgemein zugänglich archiviert, sowohl auf diesen Webseiten als auch beim Multimission Archive at STScI (MAST).

Das Schwäbische Tagblatt brachte am 29. November 1996 - noch während der Mission - einen ganzseitigen Bericht über das Tübinger Team am Kennedy Space Center.

Links

Wikipedia: STS-80

NASA Space Shuttle Archive: STS-80

Kennedy Space Center: STS-80 (mit Links zu weiteren Informationen und Videos)

NASA Bildarchiv STS-80

ORFEUS II Homepage der DARA (am Kennedy Space Center)

Videozusammenfassung mit Kommentaren der Besatzung (englisch)