Astronomie - Aktuell

02.05.2017 15:32

Ein neuer TeV-Supernovaüberrest-Kandidat ohne Pendant in irgendeinem anderen Frequenzband

Durch neue Beobachtungen mit den H.E.S.S-Teleskopen konnte ein neuer Supernovaüberrest-Kandidat identifiziert werden.

Die meisten der etwa 300 bekannten galaktischen Supernovaüberreste wurden im Radioband entdeckt. Mit den aktuellen TeV-Instrumenten wurde bisher nur von wenigen (ca. 10) dieser Quellen TeV-Gammaemission beobachtet, und die wenigsten wurden zuerst im TeV-Band gefunden. Der überwiegende Teil der TeV-emittierenden Supernovaüberreste zeichnet sich durch eine schalenförmige Morphologie aus. Daher wurde in den H.E.S.S.-Daten der Durchmusterung der galaktischen Ebene[1]  eine Suche nach Supernovaüberrest-Kandidaten auf Basis der schalenförmigen Morphologie dieses Quelltyps durchgeführt. Dabei wurden insgesamt drei bisher nicht als Supernovaüberrest-Kandidat klassifizierte Quellen gefunden.

 

Unter diesen drei Quellen sticht HESS J1912+101 besonders hervor. Die Analyse des kompletten Datensatzes ergab eine nahezu perfekt schalenförmige Struktur. Obwohl dieses Ergebnis so deutlich ausfällt, konnte trotz intensiver Suche kein Gegenstück in einem anderen Frequenzband gefunden werden. Im Moment ist es noch schwer zu sagen, ob das Fehlen eines Nachweises dieser Quelle in einem anderen Frequenzband auf eine intrinsische Eigenschaft der Quelle zurückzuführen ist. Wäre das der Fall, würde es sich um ein einzigartiges Objekt handeln.

 

Trotz der klaren schalenförmigen Struktur ist HESS J1912+101 bisher nur als Supernovaüberrest-Kandidat (und nicht als identifizierter Supernovaüberrest) klassifiziert, da auch andere Erklärungen denkbar sind. Zum Beispiel könnte es sich um eine zufällige Überlagerung mehrere Quellen handeln, die eine Schalenstruktur nur nachahmen; die Wahrscheinlichkeit hierfür scheint allerdings gering. Es könnte sich auch um ein kollektives Phänomen mehrerer Supernovaüberreste und starkem Sternenwind handeln, die gemeinsam eine so genannte Superbubble formen[2]. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um die Natur von HESS J1912+101 eindeutig zu bestätigen.

 

Details finden sich in der Mai 2017-Ausgabe der "Quelle des Monats"-Artikel auf der H.E.S.S.-Webseite. Die Studie der H.E.S.S.-Kollaboration wurde unter Federführung der Tübinger Astrophysiker Dr. Gerd Pühlhofer, Dipl.-Phys. Daniel Gottschall und MSc. Massimo Capasso durchgeführt.